= Die Spiele sind eröffnet =
Juni 18, 2009
Wie zuvor berichtet, befand ich mich am Freitag, den 12.06.2009 vor dem Rathaus der Stadt und hatte gerade mit der Presse telefoniert. Jetzt galt es, meinen Antrag auf Hartz IV zu stellen. Diesmal war der Zutritt zur Informationsstelle der Vestischen Arbeit/ARGE geöffnet und ich kam zu einer sehr freundlichen Mitarbeiterin, die sich mein Anliegen anhörte und mir dann einen Sachbearbeiter zuwies. Herr K. – ohje! Mit dem hatte ich doch schonmal zu tun!
Ich solle den Sachbearbeiter Montag anrufen und einen Termin ausmachen. Ich verwies darauf, dass ich meinen Antrag heute noch stellen möchte und der Antrag keinen Aufschub duldet.
„Naja – die Zimmernummer steht ja auf dem Zettel. Ich kann Sie ja nicht aufhalten, wenn Sie jetzt raufgehen.“
„Verstehe. Vielen Dank, dann schaue ich mal, was ich erreiche.“
Ich erklomm die Stufen zur dritten Etage und suchte das entsprechende Büro. Einem knappen Klopfen folgt ein sofortiges: „Herein!“. Ich öffnete die Tür und sah, dass Herr K. im Gespräch war. „Entschuldigen Sie bitte, soll ich eben draußen warten?“. „Sie haben doch gar keinen Termin! Gehen Sie!“. „Nein, tut mir Leid. Ich möchte hier heute meinen An…“ – „Ich mach heute gar nichts für Sie! Verlassen Sie mein Büro!“. Ich schaute kurz etwas konsterniert und setzte noch einmal an: „Ich warte gerne draußen auf…“. „Nein – gehen Sie nach Hause, gehen Sie, gehen Sie, GEHEN SIE!“
Das war schonmal ein schlechter Start, dachte ich mir, während sich mein Puls erhöhte. Aber nungut. Dann machen wir es auf die unangenehme Art. Ich kehrte zurück zur Dame an der Information. „Es tut mir Leid, aber ich muß jetzt leider etwas unangenehm werden. Ich benötige den Vorgesetzten von Herrn K.“. Die Dame duckte sich kurz und fragte vorsichtig: „Was war denn?“. „Naja, Herr K. hat mich gerade aus seinem Büro geworfen und sich geweigert, meinen Antrag entgegenzunehmen.“. Die Dame suchte die Informationen zweier weiterer Mitarbeiter heraus und notierte sie auf einem Zettel.
Fast im Flüsterton sagte sie: „Das hier ist der direkte Vorgesetzte, Herr W.. Der sitzt im gleichen Flur ganz hinten. Sollte er nicht da sein, ist das hier“, sie deutete auf den Namen darunter, „der Chef ganz oben, Herr L. – viel Glück!“.
Wieder machte ich mich auf in die dritte Etage, diesmal schritt ich den Flur ganz hinab und klopfte an die Tür von Herrn W. Es regte sich nichts, aber ich sah Licht hinter der Tür. Ich weiß, dass man das Klopfen in den Büros sehr gut hört und wartete dementsprechend ein paar Momente. Ich hatte ja eine gute Kinderstube und warte, bis ich hereingebeten werde.
Ich klopfte noch einmal. Es dauerte einen Moment und dann öffnete sich die Tür von innen: „Ja?“. „Guten Tag, mein Name ist B.! Ich wollte soeben meinen Antrag auf Hilfeleistungen bei Herrn K. einreichen, aber der hat mich aus seinem Büro geworfen und sich geweigert, meinen Antrag anzunehmen. Ich möchte mich beschweren und meinen Antrag einreichen.“
„Herr K. hatte doch noch jemanden bei sich im Büro sitzen.“ [Nachtigall, ick hör Dir trapsen! Der wußte, dass ich erscheine - er war vorbereitet.]
„Ja – und ich bot an, auf ihn zu warten, woraufhin er mich ziemlich barsch nach Hause schicken wollte.“
„Rufen Sie doch Montag an und machen Sie einen Termin mit Herrn K.! Ich kann kein Fehlverhalten feststellen.“
„Herr W. – es ist mein gutes Recht, meinen Antrag heute noch zu stellen. Ich bin dringend auf Hilfe angewiesen und ich werde das Rathaus nicht verlassen, bevor jemand meinen Antrag angenommen hat. Entweder machen Sie das oder Herr K. oder irgendjemand anderes. Das ist mir jetzt egal.“
„Warten Sie auf dem Flur, Herr K. wird Sie dann hereinrufen.“
„Vielen Dank.“
Ich drehte mich schon um, als Herr W. mir noch hinterher ruft: „Das kann aber dauern!“. Ich drehte mich zurück und sagte: „Herr W., ich habe nicht verlangt, dass ich sofort an die Reihe komme. Wenn es Zeit kostet, dann ist das eben so und ich werde warten. Aber ich werde auch heute meinen Antrag los.“
„Gut.“
Nun dachte ich, man lässt mich bestimmt bis kurz vor Feierabend auf dem Flur sitzen. Aber nein – nach etwa 5 Minuten kam die Gesprächspartnerin von vorher aus dem Büro von Herrn K. – ich machte mit einem Klopfen an der Tür kurz auf mich aufmerksam. Dem folgte keinerlei Feedback. Ich vermied es aber auch, die Tür zu öffnen. Weitere 5 Minuten später öffnete sich die Tür, Herr K. schaute auf mich herab und sagte: „Kommen Sie rein!“.
Dem folgte ich natürlich. Im Büro eröffnete ich den Dialog mit den Worten „Da hatten wir aber einen schlechten Start, Herr K.!“. „Wie bitte?“. Darauf etwas lauter: „Ich sagte: Da hatten wir aber einen schlechten Start, Herr K.! Ich möchte hier einen Antrag stellen und das ist, soweit ich weiß, auch mein gutes Recht! Das war ein ganz schlechter Stil, wie Sie mich gerade aus Ihrem Büro geworfen haben. Ich bin auch nicht das erste Mal hier. Vorgestern stand ich schon vor verschlossenen Türen.“
„Wann waren Sie denn da?“
„Um etwa halb drei. Laut Stadtseite…“
„Da haben wir auch zu!“
„Ich weiß, aber laut Stadtseite…“
„Das interessiert mich nicht!“
„Das sollte es aber, aber gut, dann reden wir gleich davon, wenn es darum geht.“
Er sichtete meinen mitgebrachten selbstverfassten formlosen Antrag und fing dann an, Formulare auszudrucken. Zwischendurch stellte er ein paar Rückfragen „Auto vorhanden?“ – „Sind Sie noch selbstständig?“ – „Ist die Firma schon in der Insolvenz?“ etc.pp. Ich beantwortete alles nach besten Wissen und Gewissen kurz und knapp. Dann murmelete Herr K. etwas vom Antragsdatum und schaute mich an: „Wann wurden Sie unten eingetragen?“. „Gerade eben, aber ich sagte ja schon, dass ich Mittwoch bereits hier war und ich möchte gerne, dass mein Antrag zurückdatiert wird auf vorgestern.“
„Ich datier hier gar nichts zurück!“
„Nun, das ist ja wohl nicht mein Fehler gewesen, dass falsche Öffnungszeiten veröffentlicht wurden. Aber gut, wenn Sie sich dem nichts annehmen, muß ich fragen, wie ich dem widerspreche. Muß ich dazu ein Widerspruchsverfahren einleiten?“
„Fangen Sie mal gleich so an!“
„Entschuldigung. Ich habe jetzt mehrfach darauf hingewiesen, dass die Öffnungszeiten falsch ausgewiesen waren, ich am Mittwoch hier war und niemand meinen Antrag entgegengenommen hat.“
„Das mit den Öffnungszeiten ist ja quatsch.“
„Wenn Sie meinen. Das können Sie aber gerne auch morgen in der Presse nachlesen.“
„Da müssen Sie mal Spaß machen und nicht nur drohen!“
„Herr K., ich hatte gerade Herrn S. von der WAZ am Handy. Die Stadt hat den Fehler bereits eingeräumt und Sie können es in der morgigen Ausgabe lesen.“
Darauf antwortete er nicht mehr, sondern druckte weiter Formulare. Irgendwann nahm er den ganzen Stoß und setzte sich neben mich. Er erklärte mir kurz die Themenbereiche der einzelnen Formulare und strich Felder, die ich nicht beantworten mußte. Versteh den mal einer. Zuckerbrot und Peitsche. Erst raunzt er mich an und jetzt sitzt er ganz nett neben mir und erklärt mir geduldig Formulare…
„Eigentlich benötige ich dringend einen Vorschuss, aber das kann ich wohl knicken, nachdem ich Ihren Vorgesetzten bemühen mußte, nehme ich an!?“
„Nein, einen Vorschuss kann ich nicht auszahlen.“
Wann ich denn dann mit Geld rechnen könne, fragte ich noch. „Sobald Sie die Unterlagen zusammen haben.“. Ok… damit war meine Aufgabe für’s Wochenende klar: Unterlagen fertig machen…
Nachdem ich das Rathaus verlassen hatte, rief ich nochmal die Presse an und gab ein Update, dass der Antrag nicht zurückdatiert wurde…
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