= 70 Minuten auf dem Weg nach unten =
Mai 5, 2008
Wie sich heute herausstellte, ist mein Geschäftskonto derzeit mit Pfändungs- und Einziehungsverfügungen in Höhe von rund 5.600 Euro belastet worden. Das ist zuviel, das schafft meine kleine Firma nicht in adäquater Zeit aufzuarbeiten, bevor es knallt.
Darüber hinaus heißt ein gesperrtes Geschäftskonto gleichzeitig: Kein Geld für mich. Jetzt auch schon seit rund einer Woche.
Ein Blick ins Portemonnaie, ein Blick in die halbleere Zigarettenschachtel und es war klar: Es muß etwas passieren! Jetzt! Zeit: 15:04 Uhr.
Kurze Rcherche im Web – erste Anlaufstellen sind die Agentur für Arbeit und/oder die ARGE. Da bei der ARGE und den Anträgen zur Beantragung von ALG II, bzw. Hartz IV immer von „Arbeitssuchenden“ die Rede ist, ging ich davon aus, dass ich erstmal zum Arbeitsamt muß. Dank einer zentralen Hotlinennummer, hatte ich auch schnell einen Ansprechpartner an der Strippe.
In knappen Worten erzählte ich, dass ich eigentlich geschäftsführer meiner GmbH bin, mir aber kein Gehalt mehr zahlen kann, kein geld mehr in der Tasche habe und sich das wohl auch erstmal nicht ändern wird. Als Antwort: Ich möge schnellstens vorbeikommen. Die Agentur habe bis 16 Uhr geöffnet. Zeit: 15:14 Uhr.
Da die Agentur nur 3 Fußminuten entfernt liegt, war ich um 15:20 Uhr bereits inkl. Mietvertrag und Protokoll meiner eidesstattlichen versicherung vor Ort. Und – oh Wunder: Im Gegensatz zum Jahr 2001, wo man dort laaaaange warten mußte, kam ich nahezu sofort dran. Leider mit einer negativen Auskunft: Nicht die Agentur für Arbeit sei zuständig, sondern die ARGE. Ich müsse zum Rathaus. Auch die hätten bis 16 Uhr auf. Zeit: 15:29 Uhr.
Ab zur nächsten Bushhaltestelle, ein Viertel meiner letzten liquiden Mittel in eine Fahrkarte investiert und zum Rathaus gefahren. Ankunft an der entlgensten Tür des Rathauses: 15:45 Uhr. An der Info, wo ich auch *sofort* dran kam, auch den Kurzabriss meiner Problematik erklärt. Nach Durchgabe der wichtigsten Rahmendaten erhielt ich einen schlecht geschnittenen und kopierten Zettel in etwas größerem Visitenkartenformat mit den Daten meines persönlichen Ansprechpartners. Dort solle ich mich morgen ab 9:00 Uhr melden.
Auf die Nachfrage, was mit schneller Hilfe sei oder bereits Unterlagen dort lassen könne, hieß es nur: „Wir machen hier nichts weiter, als Ihnen einen Ansprechpartner zu vermitteln.“ Alles weitere also mporgen ab 09:00 Uhr.
Auf dem Rückweg bin ich dann zwei Haltestellen gelaufen, damit ich mit einem Kurzstrecken-Ticket die Heimreise antreten konnte (90 Cent gespart). Ankunft zu Hause: 16:14 Uhr.
Resumée: Noch vor wenigen jahren wäre es schier unmöglich gewesen, zwei Institutionen aus dem sozialen Bereich an einem einzigen Tag aufzusuchen und sein Problem schildern zu können. Da hat sich stark etwas getan. Andererseits geht’s auch gleich wieder los: Die erste Fehlauskunft am Telefon und damit verbunden den sinnbefreiten besuch bei der Agentur für Arbeit.Wäre diese nicht fußläufig für mich erreichbar, hätte ich hier Kohle zum fenster rausgeworfen, die mir ja auch keiner erstattet.
Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Auf jedenfall geht’s bei mir wohl in die Richtung Hartz IV / Privatinsolvenz / Firmeninsolvenz. Als nächstes brauche ich einen Termin bei der Schuldnerberatung und bei meinem Ansprechpartner der ARGE.
Ich halte euch auf dem Laufenden…
Entry Filed under: Rathaus. .
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