Archive for 8. Januar 2008

= Langsam abwärts =

Ich gebe es zu: Ich habe mir in der Zeit zwischen 2003 und Mitte 2006 keine großen gedanken um’s Geld machen müssen. Über meine Firma kam das geld rein – über mich ging’s wieder raus. Mein Lebensstandard hat sich auf hohem Niveau eingependelt.

Es war für mich kein Problem, mir das zu kaufen, was ich haben wollte. Ob das jetzt eine digitale Spiegelreflexkamera, ein DVD-Rekorder, ein Computerspiel oder ein Fahrrad war. Leider habe ich keine besonderen Werte geschaffen. Die meisten Kosten entstanden im täglichen Luxus: Der allabendliche Deckel in der Kneipe, Zigaretten, zweimal am Tag auswärts etwas zu essen holen, statt selbst zu kochen.

Seit Ende 2006 macht mir das Finanzamt das Leben zur Hölle und hat durch Pfändungs- und Einziehungsverfügungen auf dem Geschäftskonto meine Firma bereits mehrfach kurz vor die Insolvenz geführt.

In den letzten sechs Wochen war es mir mal wieder nicht möglich, auf mein Geschäftskonto zuzugreifen. Und siehe da: Wenn man nur muß, kommt man auch von seinem hohen Ross herunter. Den Lebensstandard nach oben anzupassen, fällt niemandem schwer – aber auf dem Weg nach unten Verzicht zu üben, spürt man unweigerlich sofort.

Aber auch ich habe festgestellt, dass man zwar Schampoo von Head&Shoulders für 4,35 Euro kaufen kann, dass man aber auch ein Markenprodukt mit 50ml mehr Inhalt bekommt, das 1,75 Euro kostet und genauso ergiebig scheint.

Selber kochen ist auch günstiger, als auswärts zu essen. Sowas muß ich halt erstmal wieder lernen. So gab es gestern eben das Schweineschnitzel für 3,33 Euro/Kilo aus dem Discounter. Zwei Schnitzel = 1,09 Euro. Ein paar TK-Beilagen kosten auch nicht die Welt (Rosenkohl 400 Gramm für rund 70 Cent) und Kartoffeln sind auch eine vielseitige Beilage für Cents. Es geht!

Jetzt habe ich die letzten 6 Wochen von der Hand in den Mund gelebt, indem ich neben meiner eigentlichen Arbeit auch noch gejobbt habe. Es ist neu für mich, an der Kasse im Discounter auf den Cent genau zu wissen, was mich die Waren kosten werden. Schon, damit ich nicht über mein Budget komme. Und ich fühle mich kein bißchen schlecht dabei.

Ich will aber nicht verhehlen, dass ich mir immer noch viel Luxus leiste. Unter anderem meine Abendgestaltung ist verhältnismässig teuer. Aber ich stelle meine Gewohnheiten langsam um. Der Prozess schmerzt hier und da, aber – wie gesagt – wenn man muß, dann sieht man die Einsparpotentiale.

Heute habe ich erstmalig wieder Geld von meinem Geschäftskonto bekommen. Und trotzdem wußte ich, wie teuer mein Einkauf war und trotzdem sind fast nur Sonderangebote in meinem Einkaufswagen gelandet. Heute waren aber mal wieder Waren drin, die zwar notwendig sind (Katzenstreu z.B.), aber aufgeschoben werden konnten. Deshalb habe ich nominal zwar recht viel ausgegeben, aber ich habe nur rund die Hälfte ausgegeben, als ich noch vor einem guten jahr für den Einkauf ausgegeben hätte.

Einem Harz IV-Empfänger müssen meine Empfindungen sehr seltsam vorkommen, weil sich ihm viele Fragen gar nicht mehr stellen, die bei mir noch zu entscheiden sind. Trotzdem bin ich etwas stolz auf mich. Ich bekomme langsam eine andere Wertigkeit a) für’s Geld, b) für Zeit, c) für Leistung und d) für ideelle Werte, wie z.B. Freundschaften.

Add comment Januar 8, 2008

Die eidesstattliche Versicherung

Ich habe einen Termin erhalten. Am 14. Januar gebe ich vermutlich meine eidesstattliche Versicherung ab. Dies hat aus meiner Sicht inzwischen fast nur noch Vorteile: Ich stelle mich besser, bei den Verhandlungen mit den Gläubigern. Diese müssen davon ausgehen, dass ich in die Privatinsolvenz gehe. Das bedeutet mindestens lange Wartezeiten bei der Rückzahlung.

Wenn ich nach Abgabe der EV gut verhandle, lassen sich evtl. viele Forderungen schon minimieren.

Dass mein Dasein als Kreditnehmer mit Abgabe der EV quasi vorbei ist, raubt mir nicht einen müden Gedanken, denn seit ich weiß, dass es eng wird, kreditiere ich eigentlich eh nichts mehr.

Nach erster Durchsicht komme ich bisher auf Schulden von rund 25.000 Euro. Es kommt noch etwas drauf, aber insgesamt wird das eine Summe, für die man eigentlich nicht in die Privatinsolvenz geht. Und für den Moment gehe ich davon aus, dass ich auch nicht in die Privatinso gehen werde. Es hängt aber viel davon ab, wie die Gläubiger mit meiner GmbH umgehen werden, deren alleiniger Gesellschafter ich bin.

Ich rechne weiter Schulden zusammen und bleibe selbst gespannt…

1 comment Januar 8, 2008


 

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