Archive for Januar 2008

= Zurückgeschlagen =

Da hat mir die RWE am 10.01.2008 ein Schreiben geschickt, dass man mir vier Wochen nach Zugang des Schreibens den Strom abdrehen wolle. Am 24.01.2008 kam dann ein gelber Zettel des Subunternehmens W.I.R. hereingeflattert, in dem stand, dass mir am 29.01.2008 der Strom abgestellt würde.

Hmmm… da schnappe ich mir meine zehn Wurstfinger und rechne mal nach… 10.01.2008 – zugestellt am 14.01.2008 + 4 Wochen = 11.02.2008. Grundlage ist der §19 StromGVV, der besagt, dass eine Sperrankündigung 4 Wochen im Voraus zu erfolgen hat. Weiter sagt dieser Paragraph, dass die Sperrung im Verhältnis zur Schwere des Vergehens (also die Höhe der Schulden) stehen muß und dass von der Sperrung abzusehen ist, wenn der Schuldner (also ich) glaubhaft in Aussicht stellen kann, dass er seinen Verpflichtungen nachkommen wird.

Ich habe am 25.01.2008 den aufgeführten Betrag aus dem ersten Schreiben vollständig angewiesen und die RWE darüber informiert. Auch einen Online-Kontoauszug habe ich gefaxt. Ergebnis: Onlineauszug wird nicht akzeptiert, von den Fristen nimmt man sich nichts an – man werde sperren.

Tja – was macht man da? Ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen und habe gestern eine einstweilige Verfügung beantragt, die ich jetzt in Händen halte:

Der Antragsgegnerin wird aufgegeben, es zu unterlassen, die Energielieferung an den Antragsteller für die Verbrauchsstelle Straße, PLZ Ort aufgrund von Zahlungsrückständen vor dem 11.02.2008 einzustellen.

Für den Fall, dass die Energielieferung bereits eingestellt wurde, hat die Antragsgegnerin die Versorgung zumindest bis zum 11.02.2008 wieder herzustellen.

Der gegnerischen Partei wird für jeden Fall der Zuwiderhandlung angedroht:

Die Festsetzung eines Ordnungsgeldes in Höhe von bis zu 250.000,00 Euro ersatzweise für den Fall, dass dieses nicht beigetrieben werden kann, die Anordnung von Ordnungshaft

Die Kosten des Verfahrens werden der Antragsgegnerin auferlegt. Der Streitwert wird auf 500,00 Euro festgelegt.

Super! Aber wer jetzt denkt, ich habe schon gewonnen, der täuscht sich. Natürlich muß man die Verfügung erstmal nach Bochum zum Gerichtsvollzieher bringen, der diese dann morgen erst zustellt. Immerhin gab’s die einstweilige Verfügung ratz-fatz von meinem örtlichen Amtsgericht.

Ich seh dann mal zu, dass ich zügig nach Bochum zum Amtsgericht komme, um einen Gerichtsvollzieher zu beauftragen.

Wer sich nach dem Sinn fragt, warum ich nur eine Freistellung bis zum 11.02.2008 beantragt habe: Da ich ja am 25.01. eine Zahlung geleistet habe, geht’s eigentlich nur darum, Zeit zu gewinnen, bis die Pappnasen die Zahlung auch verbucht haben. Und das wird selbst die RWE wohl bis zum 11.02.2008 schaffen. Glaube Hoffe ich zumindest. Sonst muß ich nochmal eine Verfügung hinterher schieben.

Schön, mal auf der anderen Seite zu sein und Recht zu bekommen. Ich stelle die Tage noch mein Antragsschreiben für die einstweilige Verfügung online, die man gerne als Muster für eigene Anstrengungen verwenden kann.

Add comment Januar 29, 2008

= Die EV ist abgegeben =

Wie bereits erwähnt, hatte ich heute den Termin beim Gerichtsvollzieher zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung (im Folgenden „EV“ genannt). Nachdem ich in den letzten Tagen akribisch Unterlagen gesammelt hatte, war ich gerüstet.

Lustigerweise hatte ich zunächst auch fast alle Gläubigerforderungen gesammelt – die braucht man aber gar nicht bei der EV. Da geht es ausschließlich darum, dem Gläubiger den Überblick zu verschaffen, wo er ggf. etwas pfänden kann. Und es geht natürlich darum, den aktuellen Status an die Schufa und das Schuldnerverzeichnis zu melden – womit die Kreditwürdigkeit natürlich schlagartig gen Null tendiert.

Meine größte Befürchtung war bis jetzt, dass die Gläubiger sich meiner Firma bemächtigen. In dieser Hinsicht hat mich der Gerichtsvollzieher heute jedoch stark beruhigt. Da meine Firma als GmbH geführt wird, ist eine klare Abgrenzung zu meiner Person möglich. Was ich allerdings machen müßte: Mich selbst als Geschäftsführer anstellen. Das habe ich bisher unterlassen, da ich nicht immer in der Lage war, mir pünktlich ein festes Gehalt zu zahlen.

Selbst bei meinem Auto (ok, das Teil ist inzwischen knapp 15 Jahre alt und hat keinen TÜV mehr) meint der Gerichtsvollzieher, dass da wohl kein Gläubiger Ansprüche stellen wird.

Überhaupt muß ich sagen: Der „normale“ Gerichtsvollzieher ist ein ungleich netterer Mensch, als die Pappnasen vom Finanzamt. Wo das Finanzamt darauf aus ist, einzuschüchtern, Türen öffnen zu lassen und knallhart alles zu pfänden, zeigt einem der normale Gerichtsvollzieher sogar Möglichkeiten auf und hat Tipps parat.

Mein Kreditnehmerleben ist bis auf Weiteres vorbei – aber ich bin ein großes Stück befreiter und ich sehe auch wieder Perspektiven. Und vor allem: Ich bin motiviert, jetzt nicht alles an die Wand zu fahren (inkl. Firma), sondern weiterzumachen, zu kämpfen und unterm Strich auch jeden zu bezahlen.

Ein bitterer, aber guter Tag…

Add comment Januar 14, 2008

= Langsam abwärts =

Ich gebe es zu: Ich habe mir in der Zeit zwischen 2003 und Mitte 2006 keine großen gedanken um’s Geld machen müssen. Über meine Firma kam das geld rein – über mich ging’s wieder raus. Mein Lebensstandard hat sich auf hohem Niveau eingependelt.

Es war für mich kein Problem, mir das zu kaufen, was ich haben wollte. Ob das jetzt eine digitale Spiegelreflexkamera, ein DVD-Rekorder, ein Computerspiel oder ein Fahrrad war. Leider habe ich keine besonderen Werte geschaffen. Die meisten Kosten entstanden im täglichen Luxus: Der allabendliche Deckel in der Kneipe, Zigaretten, zweimal am Tag auswärts etwas zu essen holen, statt selbst zu kochen.

Seit Ende 2006 macht mir das Finanzamt das Leben zur Hölle und hat durch Pfändungs- und Einziehungsverfügungen auf dem Geschäftskonto meine Firma bereits mehrfach kurz vor die Insolvenz geführt.

In den letzten sechs Wochen war es mir mal wieder nicht möglich, auf mein Geschäftskonto zuzugreifen. Und siehe da: Wenn man nur muß, kommt man auch von seinem hohen Ross herunter. Den Lebensstandard nach oben anzupassen, fällt niemandem schwer – aber auf dem Weg nach unten Verzicht zu üben, spürt man unweigerlich sofort.

Aber auch ich habe festgestellt, dass man zwar Schampoo von Head&Shoulders für 4,35 Euro kaufen kann, dass man aber auch ein Markenprodukt mit 50ml mehr Inhalt bekommt, das 1,75 Euro kostet und genauso ergiebig scheint.

Selber kochen ist auch günstiger, als auswärts zu essen. Sowas muß ich halt erstmal wieder lernen. So gab es gestern eben das Schweineschnitzel für 3,33 Euro/Kilo aus dem Discounter. Zwei Schnitzel = 1,09 Euro. Ein paar TK-Beilagen kosten auch nicht die Welt (Rosenkohl 400 Gramm für rund 70 Cent) und Kartoffeln sind auch eine vielseitige Beilage für Cents. Es geht!

Jetzt habe ich die letzten 6 Wochen von der Hand in den Mund gelebt, indem ich neben meiner eigentlichen Arbeit auch noch gejobbt habe. Es ist neu für mich, an der Kasse im Discounter auf den Cent genau zu wissen, was mich die Waren kosten werden. Schon, damit ich nicht über mein Budget komme. Und ich fühle mich kein bißchen schlecht dabei.

Ich will aber nicht verhehlen, dass ich mir immer noch viel Luxus leiste. Unter anderem meine Abendgestaltung ist verhältnismässig teuer. Aber ich stelle meine Gewohnheiten langsam um. Der Prozess schmerzt hier und da, aber – wie gesagt – wenn man muß, dann sieht man die Einsparpotentiale.

Heute habe ich erstmalig wieder Geld von meinem Geschäftskonto bekommen. Und trotzdem wußte ich, wie teuer mein Einkauf war und trotzdem sind fast nur Sonderangebote in meinem Einkaufswagen gelandet. Heute waren aber mal wieder Waren drin, die zwar notwendig sind (Katzenstreu z.B.), aber aufgeschoben werden konnten. Deshalb habe ich nominal zwar recht viel ausgegeben, aber ich habe nur rund die Hälfte ausgegeben, als ich noch vor einem guten jahr für den Einkauf ausgegeben hätte.

Einem Harz IV-Empfänger müssen meine Empfindungen sehr seltsam vorkommen, weil sich ihm viele Fragen gar nicht mehr stellen, die bei mir noch zu entscheiden sind. Trotzdem bin ich etwas stolz auf mich. Ich bekomme langsam eine andere Wertigkeit a) für’s Geld, b) für Zeit, c) für Leistung und d) für ideelle Werte, wie z.B. Freundschaften.

Add comment Januar 8, 2008

Die eidesstattliche Versicherung

Ich habe einen Termin erhalten. Am 14. Januar gebe ich vermutlich meine eidesstattliche Versicherung ab. Dies hat aus meiner Sicht inzwischen fast nur noch Vorteile: Ich stelle mich besser, bei den Verhandlungen mit den Gläubigern. Diese müssen davon ausgehen, dass ich in die Privatinsolvenz gehe. Das bedeutet mindestens lange Wartezeiten bei der Rückzahlung.

Wenn ich nach Abgabe der EV gut verhandle, lassen sich evtl. viele Forderungen schon minimieren.

Dass mein Dasein als Kreditnehmer mit Abgabe der EV quasi vorbei ist, raubt mir nicht einen müden Gedanken, denn seit ich weiß, dass es eng wird, kreditiere ich eigentlich eh nichts mehr.

Nach erster Durchsicht komme ich bisher auf Schulden von rund 25.000 Euro. Es kommt noch etwas drauf, aber insgesamt wird das eine Summe, für die man eigentlich nicht in die Privatinsolvenz geht. Und für den Moment gehe ich davon aus, dass ich auch nicht in die Privatinso gehen werde. Es hängt aber viel davon ab, wie die Gläubiger mit meiner GmbH umgehen werden, deren alleiniger Gesellschafter ich bin.

Ich rechne weiter Schulden zusammen und bleibe selbst gespannt…

1 comment Januar 8, 2008


 

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